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Amsterdam – erst mal orientieren


Ankommen zwischen IJ und Innenstadt


Genau nach Fahrplan erreichen wir schließlich Amsterdam Centraal. Kein Bahnhof unterwegs wurde auch nur eine Minute zu früh oder zu spät erreicht. Beeindruckend. So entspannt kann Bahnfahren also auch sein.

Kaum haben wir in Amsterdam Centraal den Zug verlassen, wartet schon die nächste Unbekannteauf uns. Vor den Ausgängen stehen Reihen schmaler Durchgänge mit gläsernen Schranken, sogenannte OV-chipkaartpoortjes. Erst wenn man seine Fahrkarte auf den Scanner hält, öffnen sich die Flügel für einen kurzen Moment. Danach schließen sie sich sofort wieder. Für die Niederländer scheint das völlig normal zu sein. Die meisten laufen zielsicher auf die Sperren zu, halten ihre Karte kurz davor – piep – und sind schon durch. Ich dagegen beobachte erst einmal genau, wie das funktioniert, bevor ich mich selbst daran wage. Schließlich möchte ich nicht mitten in der Schranke stecken bleiben. Am Ende klappt natürlich alles problemlos. Trotzdem ist das wieder so ein kleines Detail, an dem man merkt: Das ist nicht Deutschland.

Centraal Station – Erste Eindrücke


Der Amsterdamer Hauptbahnhof liegt wie eine Grenze zwischen zwei sehr unterschiedlichen Stadtteilen und auch zwischen zwei sehr unterschiedlichen Stil-Epochen: Auf der Südseite das historische, gewachsene Amsterdam, auf der anderen Seite ein modernes, sich schnell entwickelndes Stadtgebiet am IJ-Haven (Ei-Hafen). Natürlich gehen wir – wir wollten ja eigentlich eine Grachtenrundfahrt machen – genau auf der falschen Seite raus. Das IJ-Gebiet war lange Zeit Hafengebiet, funktional, aber wenig bebaut. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde es systematisch neu entwickelt, um Wohnraum, Büros und Infrastruktur zu schaffen. Dadurch sind dort nun viele moderne und teils sehr futuristische Gebäude entstanden: beispielsweise das weiße Gebäude des Eye Filmmuseums, der A’DAM Toren (das ehemalige Shell-Hochhaus mit dem komischen „Aufsatz“, der so gar nicht zum anderen Teil des Hauses passt) rechts daneben, der BOLD Tower in der Mitte und die beiden „grünen“ Y-Towers.

Dadurch, dass wir auf der falschen Seite aus dem Bahnhof raus sind, sehen wir auch den alten Hafenschlepper „Manipura“. Solche Schiffe hat man Mitte der Fünfziger eingesetzt, um ziehend oder drückend große Schiffe zu unterstützen, sei es beim An- und Ablegen oder auch bei schwierigen Wetter- oder Strömungsbedingungen im Amsterdamer Hafenbereich, kurz gesagt: Ein Arbeitsschiff aus der klassischen Ära des Hafens – gebaut für Kraft, nicht für Geschwindigkeit, und heute eher ein stiller Zeuge der früher viel industrielleren Hafenarbeit im IJ. Ein weiteres historisches Schiff ist das restaurierte Dampfschiff-Salonboot Succes – mit einem „s“ hinten – aus dem Jahr 1897. Heute wird es als exklusive Event- und Partyplattform auf dem Wasser eingesetzt. Das Schiff ist also kein Museumsstück, sondern weiterhin aktiv im Einsatz – für exklusives Geld.

Praktisches & Alltägliches (Tickets, Post, Orientierung)

Das Wichtigste und das Zweitwichtigste


Aber nicht nur die Succes verlangt exklusive Preise. Will man im Amsterdamer Bahnhof nur mal „für kleine Jungs“, zahlt man dort im WC an der Nordwestecke stolze 1,10 €. Nachdem wir für jeweils 1,10 € das Wichtigste erledigt haben, kommt nun das Zweitwichtigste: Wir schreiben unseren Freunden aus dem Urlaub – WhatsApp hin oder her – nämlich immer noch echte Postkarten. Und dazu braucht man Briefmarken.

Hier im Bahnhof bekommen wir doch sicher irgendwo welche. Wir fragen am Info Point. „We hebben hier postzegels alleen in een vijfpack.“ „Vijfpack? Nee, fünf brauchen wir wirklich nicht.“ Aber dann kommt Hilfe: „If you want only one or two stamps, then go to Bruna at the very end of the IJhal. In the bookstore there they also sell stamps individually.“ Also los. Durch den ganzen Bahnhof, in die andere Richtung – ganz sicher zweihundert (!) Meter. Dort frage ich nach zwei Briefmarken für Deutschland. 4,22 €! Ich zahle passend, bekomme die „Roten“ aber unmittelbar wieder zurück. Die will man hier wohl nicht so gerne. Da fällt mir nur ein: „Wer den Pfennig nicht ehrt, …“ Na ja, ihr wisst schon.

Dann die nächste Überraschung: Auf der Marke steht „1“, aber bezahlt haben wir 2,11 € (äh sorry, 2,10 €) pro Stück. Die Erklärung ist einfach: Die Zahl auf der Briefmarke ist nämlich kein Euro-Betrag, sondern eine Tarifklasse. Andere Länder, andere Tarife.


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